Bereits Tage vor dem Feiertag "1. Mai" wurde die Fürther Bevölkerung aufgefordert, die Häuser mit Fahnen, Wimpeln und frischen Grün zu schmücken. Die Arbeiterstadt Fürth sollte so auch äußerlich ein Zeichen setzen, ein unerschütterlicher Block der nationalsozialistischen Bewegung zu sein. Am Dienstagabend standen 600 Kinder auf dem Fürther Hauptbahnhof neben ihrem Koffer und dem Begleitadressenschild um den Hals. Die Kinderlandverschickung hatte wieder begonnen. Ein Sonderzug brachte die Kinder nach Pommern, wo sie vier schöne Wochen verleben sollten. Während der langen Fahrt befand sich im Zug ein Verpflegungskommando, das die Kinder mit Essen und Trinken versorgte. Donnerstag, 28. April 1938 In der NZ wurde der Burgfarrnbacher Gärtnereibesitzer Georg Danzer für seine 15-jährige Tätigkeit als Vorstand des Gartenbauvereins Burgfarrnbach geehrt. Er hatte seit Ende April 1923 den Verein auf Vordermann gebracht. Von einst 12 Mitgliedern stieg die Zahl bis 1938 auf 87. Neben mehreren Diplomen und Anerkennungen wurde Danzer im Januar 1933 die goldene Medaille vom "Mittelfränkischen Kreisverband für Obst- und Gartenbau" verliehen. Danzer galt in Fürth als profunder Kenner der Veredlung von Obstbäumen. Unter den eingereichten Baugesuchen im April bei der Stadt Fürth fand sich auch der beschlossene Bau einer Umspannanlage Ecke Stiftungs- und Hardstraße. Kristall-Palast: ". . . und so was nennt sich Detektiv" mit Myrna Loy und William Powell. Alhambra: "Geh`n wir bummeln" mit Alice Faye und Warner Baxter. Lu-Li: "Das letzte Sklavenschiff" mit Elizabeth Allan und Mickey Rooney. Zentral-Lichtspiele: "Der Mord im Nebel" mit Heather Angel und Porter Hall. Freitag, 29. April 1938 Das bei den Fürthern beliebte Lokal "Amtsbräustübl" (später Metropol) an der Ecke Marktplatz und Gustavstraße öffnete nach einer Renovierung wieder seine Pforten. Besitzer Josef Dorr hatte u.a. die Wände mit großen Gemälden versehen lassen, welche eine enge Verbundenheit zwischen Wehrmacht und Volk darstellten. Die NS-Organisation "Kraft durch Freude" (KdF) veranstaltete im Fürther Geismannsaal einen VarietéAbend. Durch das Programm führte Ferdinand Mahir, der den meisten Fürthern schon als Ansager von den frohen Samstag-Nachmittagen des Reichssenders Köln bekannt war. Als er im überfüllten Geismannsaal die Fürther begrüßte, so riefen sie ihm mit brausendem Orkan "Hallo Ferdinand" entgegen. Die Bandbreite der auftretenden Künstler reichte von Musikern über Kunstpfeifer, Zauberer bis hin zu Akrobaten. Die Abzeichen zum 1. Mai (Plakette mit einem um einen Maibaum tanzenden Paar) wurden auch in Fürth nur durch Politische Leiter und Hauswarte verkauft. Ein Verkauf der Abzeichen in Betrieben war verboten. Samstag, 30. April 1938 Der Reichsberufswettkampf 1938 war zu Ende gegangen. Er gestaltete sich wie nie zuvor zu einem machtvollen Bekenntnis zur Steigerung der beruflichen Leistung. Mit einer Großkundgebung in Hamburg fand der Wettkampf seinen Abschluss. Originalton Reichsleiter Dr. Ley: "Wir müssen dir, deutscher Junge und deutsches Mädchen, das Größte an Leistungssteigerung verlangen, nicht um irgendwelchen Unternehmern große Gewinne zu geben, sondern allein um Deutschlands Willen, damit Deutschland den Platz in der Welt erhält, den es verlangen kann!" Drei der Reichssieger kamen aus Fürth. Im Nürnberger Kulturvereinssaal wurden 16 Betriebe der Arbeitskammer Franken ausgezeichnet. Darunter fand sich auch das Fürther Modehaus Fiedler in der Hindenburgstraße. Betriebsführerin Milla Fiedler erhielt aus der Hand von Gauleiter und Frankenführer Julius Streicher das Gaudiplom für hervorragende Leistungen. Insgesamt hatten sich über 1800 fränkische Betriebe an diesem Leistungskampf beteiligt. Die Firma Fiedler galt als nationalsozialistischer Musterbetrieb und wurde in kaufmännischer und sozialer Hinsicht vorbildgebend geführt. Das Gasthaus "Zum Hirschen" am Kohlenmarkt ging durch Kauf auf den Spiegelfabrikanten Schmitz über. Das Haus sollte demnächst abgerissen werden. Geplant war ein Neubau mit mehreren Läden und einem neuen Restaurant. Montag, 2. Mai 1938 In Fürth marschierten etwa 25.000 Volksgenossen in Berufskleidung am Vormittag durch die festlich 22
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