ASV Fürth
Der Allgemeine Sport-Verein Fürth 1945 e. V. (kurz: ASV Fürth) wurde am 24. November 1945[1] gegründet und ist ein Fürther Sportverein, mit Sportgelände an der Magazinstraße 45 sowie ehemals in der Heilstättensiedlung Paul-Keller-Straße (ASV Fürth West).
Als Nachfolgeverein des VfR Fürth verfügt der ASV an der Magazinstraße über eine der ältesten Fußballtribünen Deutschlands, die ursprünglich im Jahr 1914 als Reitbahntribüne errichtet wurde. Sie ist aus diesem Grund selbst 2020 noch Anziehungspunkt für sog. „Groundhopper“[2].
Vom FC Franken Fürth bis zum ASV Fürth
- 1904: FC Franken Fürth
- 1912: FC Viktoria Fürth schließt sich an
- 1912: FV Franken Fürth.
- 1922: FV Franken schließt sich dem MTV Fürth an.
- 1922: MTV Fürth
- 1924: VfR Fürth (aus dem MTV Fürth)
- 1936: VfR Fürth muss sich nach dem Zwangsabstieg durch Einführung der Gauligen auflösen, VfB Fürth entsteht.
- 1936: VfB Fürth (Verein für Bewegungsspiele)
- 1939: Postsportverein (VfB Fürth und Postsportabteilung im TV 1860 Fürth)
- 1943: KSG Post Nürnberg/Fürth (Kriegssportgemeinschaft)
- 1945: ASV Fürth (der neu gegründete VfR Fürth schließt sich dem ASV Fürth an)
Entwicklung des ASV Fürth
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges versuchten viele ehemalige Mitglieder aus den im Dritten Reich verbotenen Sportvereinen, beispielsweise den Arbeitersportvereinen, sich wieder in einem Verein zu organisieren. Nach einem Aufruf in der lokalen Presse trafen sich am 24. November 1945 offiziell 72, nach anderen Quellen 74[3], Teilnehmer in der Gaststätte Zur Alten Post. Eines der Gründungsmitglieder war auch Maria Ruff, die ältere Schwester von Betty Unbehauen und Irmgard Lutz, die beide im Juni 2025 ihre 80-jährige Mitgliedschaft im Verein feierten.[4] Bedeutend waren vor allem die Fußballabteilung (die 1. Mannschaft spielte in der Landesliga) und die Handballabteilung. Es wurde aber auch viele anderen Sportarten eine Heimat geboten, wie den Kanuten, den Schwimmern, den Boxern, Ringern und Stemmern, den Leichtathleten oder Turnern. Auch Tischtennis und Frauengymnastik wurden angeboten und eine Wintersportabteilung gründete sich. Bis 1948 wuchs die Mitgliederzahl auf etwa 1.800 an, schrumpfte danach allerdings aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage wieder stark. Bei der Jahreshauptversammlung im März 1955 verkündete der damalige Vorsitzende Fritz Rupprecht, dass der Verein den Sportplatz an der Magazinstraße gekauft habe. Dies war ein wichtiger Schritt, um der führende Sportverein der Fürther Südstadt zu werden. Rupprecht lenkte bis 1971 die Geschicke des Vereins. Etliche Abteilung lösten sich in diesen Jahren auf, andere wuchsen oder kamen neu hinzu, wie die zwischenzeitlich boomende Tennisabteilung.
ASV Fürth West
Der ASV Fürth West wurde 1949 von den überwiegend aus dem Sudentenland stammenden Bewohnern der Heilstättensiedlung als eigene Abteilung des ASV gegründet. Karl Ullmann war die treibende Kraft des Vereins. Zunächst waren vor allem Fußballer aktiv, die ihre Spiele zunächst an der Magazinstraße austrugen.[5] Ab 1958 errichtete man an der Paul-Keller-Straße unter Mithilfe der U.S. Army ein eigenes Sportgelände, das 1961 eingeweiht wurde. Jetzt bot man auch Turnern, Faustballern und Tischtennisspielern eine Heimat. Die Turner übten dabei im großen Saal der Gaststätte Neue Heimat, die auch als Vereinslokal genutzt wurde. Am Anfang der 1990er Jahre löste sich der Verein wegen Nachwuchs- und Geldsorgen weitgehend auf.[6] Die Mitglieder der Tennisabteilung führten den Betrieb unter dem Dach des ASV Fürth noch fort. Durch die geplante Bebauung des Areals mit Wohnhäusern wurde die Abteilung des Vereins mittlerweile nach Wachendorf verlegt.
Neuere Geschichte
Etwa 2001 ließ der ehemalige Spieler und Gönner Fritz Trautnitz von der nahegelegenen Hans-Böckler-Schule einen dort nicht mehr benötigten Containerbau auf das Gelände des ASV bringen. Es handelte sich um zwei Klassenzimmer mit insgesamt 160 Quadratmeter Nutzfläche, die kostenlos übernommen werden konnten. Im Jahr 2021, während der COVID-19-Pandemie, sanierten der Fußballabteilungsleiter Jürgen Loos und etliche Ehrenamtliche vorwiegend in Eigenleistung Teile des Vereinsgeländes. Eine Toilette und die Gästeduschen wurden saniert, der Kabinengang erhielt neue Fliesen und frische Farbe. Das Geschäftszimmer erhielt Heizkörper und der Nebenraum, das sogenannte Trautnitz-Heim, wurde ebenfalls überarbeitet.[7]
Literatur
- Allgemeiner Sportverein Fürth (ASV) e. V. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth: Selbstverlag der Stadt Fürth, 1968, S. 18 f.
- Es lebe der Sport! Körperertüchtigung im Süden. Der Allgemeine Sportverein Fürth. In: Auf in den Süden! Geschichte der Fürther Südstadt, 2017, Sandberg Verlag, ISBN 978-930699-94-0, S. 165 - 166
Lokalberichterstattung
- Marcel Staudt: Auf der Suche nach vergessenen Fußballhelden. In: Fürther Nachrichten vom 12. April 2012
- Kurt Heidingsfelder: Auf ewig grün - ASV Fürth plant einen großen Kunstrasenplatz. In: Fürther Nachrichten vom 24. Mai 2012 - online
- Markus Eigler: Der SpVgg-Konkurrent aus dem Glasscherbenviertel. In: Fürther Nachrichten vom 9. März 2019 (Druckausgabe) bzw. Der Greuther Fürth-Konkurrent aus der Magazinstraße. In: nordbayern.de vom 11. März 2019 - online
- Markus Eigler: Vergessen im Westen. In: Fürther Nachrichten vom 13. April 2019 (Druckausgabe)
- Max Fischer: Fürther Holztribüne: Ein Paradies für Groundhopper. In: nordbayern.de vom 14. Oktober 2019 - online
- Johannes Alles: Fußballhistorie in der Magazinstraße. In: Fürther Nachrichten vom 28. November 2020 (Druckausgabe)
- Martin Schano: Ich sitze nicht auf einer Wolke. In: Fürther Nachrichten vom 10. Juli 2021, S. 40 (Druckausgabe)
- Markus Eigler: Das Sportheim war die neue Heimat. In: Fürther Nachrichten vom 22. Februar 2023, S. 35 (Druckausgabe) bzw. Historische Sportstätte in Fürth: Der ASV Fürth-West in der Heilstättensiedlung In: nordbayern.de NN+ vom 22. Februar 2023 - online abrufbar (Bezahlschranke)
- Marc Ventur: 80 Jahre wichtig für die Südstadt. In: Fürther Nachrichten vom 12. September 2025 (Druckausgabe)
Siehe auch
Weblinks
- Marco Galuska "Von 1957 bis 1994: Das legendäre Osterjugendturnier des ASV Fürth" in Anpfiff info online
- 11-Freunde - online; der Artikel geht aufgrund mangelnder Recherchen von einer Erbauungszeit der Tribüne zwischen 1925 und 1930 aus.
- Stadien in Baden-Württemberg/Bayern - online; der Eintrag geht von einer Erbauungszeit der Tribüne von 1920 aus und wertet daher die Holztribüne als eine der ältesten in Deutschland und Europa.
- ASV Fürth - online
- Deutscher Meister (Fußball) 1919/20 - Wikipedia
- Chronik des ASV Fürth - online
Einzelnachweise
- ↑ Markus Eigler: Seit 80 Jahren Mitglied im Verein. In: Fürther Nachrichten vom 17. Juni 2025 (Druckausgabe)
- ↑ Max Fischer: "Fürther Holztribüne: Ein Paradies für Groundhopper" in Fürther Nachrichten vom 14. Oktober 2019 – online
- ↑ Chronik des ASV Fürth - online
- ↑ Markus Eigler: Seit 80 Jahren Mitglied im Verein. In: Fürther Nachrichten vom 17. Juni 2025 (Druckausgabe)
- ↑ Die Geschäftsstelle des ASV Fürth scheint aber in der Alexanderstraße 16 gewesen zu sein. Von hier wurden nämlich am 3. April 1954 Bauanträge für die Kantinenanlage in der Magazinstraße gestellt.
- ↑ Markus Eigler: Vergessen im Westen. In: Fürther Nachrichten vom 13. April 2019
- ↑ Martin Schano: Ich sitze nicht auf einer Wolke. In: Fürther Nachrichten vom 10. Juli 2021, S. 40
Bilder
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Letzte Felder an der Hans-Bornkessel-Straße. Im Hintergrund Sportgelände des ASV Fürth Urheber: Doc Bendit
Lizenz: CC BY-SA 3.0Verschütteter Teil des Weidiggrabens an der Hans-Bornkessel-Straße. Deutlich zu sehen ist der höhere ... Verschütteter Teil des Weidiggrabens an der Hans-Bornkessel-Straße. Deutlich zu sehen ist der höhere Bewuchs auf dem ehemaligen Grabenverlauf. Im Hintergrund Sportgelände des ASV Fürth
Urheber: Doc Bendit
Lizenz: CC BY-SA 3.0Ehemaliges Sportgelände des ASV Fürth West von der Heilstättenstraße aus gesehen. Urheber: Doc Bendit
Lizenz: CC BY-SA 3.0Sportplatz des ASV Fürth in den 1960er Jahren. Im Hintergrund ist die Ortschaft Höfen zu erkennen Urheber: unbekannt
Lizenz: CC BY-SA 3.0Werbung vom ASV Fürth in der Schülerzeitung Die Pennalen Nr. 3 1961 Urheber: ASV Fürth
Lizenz: CC BY-SA 3.0Ansichtskarte der Heilstättensiedlung, ca. 1952 Urheber: Erhard Grünbauer
Lizenz: CC BY-SA 3.0In den 1950er Jahren an der Magazinstraße. In der rechten Bildhälfte verläuft der Weidiggraben ... In den 1950er Jahren an der Magazinstraße. In der rechten Bildhälfte verläuft der Weidiggraben schräg nach hinten, es ist eine Brücke an der Magazinstr. erkennbar. Rechts im Hintergrund steht die Tribüne des ASV Fürth
Urheber: Hans Dickel
Lizenz: CC BY-SA 3.0
